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BARMHERZIGKEIT

Armut das ist keine Schande
doch sie macht auch keine Ehr',
und so mancher stürzt am Rande,
hilft ihm keiner; stürzt er schwer.

Dann sind Menschen schnell zur Stelle,
ihn zu richten, zu bestrafen,
und sie werden nach dem Falle,
sicher froh und glücklich schlafen.

Jene plagt nicht das Gewissen,
eine Tat haben sie vollbracht,
denn sie können ja nicht wissen,
Glück ist Tag und Armut Nacht.

Diese Nacht will meist nicht enden,
weil kein Licht zu ihnen dringt
und es liegt in uns'ren Händen,
ob die Nacht noch tiefer sinkt.

Oder ob ein milder Schimmer
unseres Glanzes sie erhellt.
Arme Menschen gibt es immer,
hier oft Wille, dort oft Geld.

Wenn der Reiche noch in Träumen,
rechnend mit dem Gelde spielt,
liegt oft unter kahlen Bäumen,
irgendwo ein Mensch der fühlt.

Kälte, Hunger, Leid und Sorgen
sind die ständigen Begleiter
und des Reichen's froher Morgen
machen ihn nicht wieder heiter.

Schlurfend zieht er durch die Straßen,
klopft an manche Türe an,
keiner will ihn zu sich lassen
und der Hunger treibt den Mann.

Und der Reiche geht vorrüber,
rechnet, rechnet, überlegt
und er sieht nicht gegenüber,
wie ein Mensch um Liebe fleht.

Herz und Ohr' die sind verschlossen.
wenn der Magen satt gefüllt
und er spüret nur verdrossen,
das ein Mensch im Wege steht.

Ja, dann strauchelt so ein Wesen
und zum Fallen ist's nicht weit,
weil kein Mensch ist da gewesen
der zu lieben war bereit.

Immer rascher, immer steiler
führt der Weg dann in das Tal,
in das Tal der Hoffnungslosen,
in das Tal der ew'gen Qual.

Ja dann endet so ein Leben,
das durch uns're Schuld allein,
umbarherzig aufgegeben,
"Drum laßt uns barmherzig sein!"

Hugo Schröder
©

Midi: "Gymnopedies"
Komponist: Erik Satie

Art: Kuan-Yin
(Göttin von Mitleid)
(goddessmyths.com)

 

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